Was glauben wir eigentlich? - Wenn Wissenschaft auf Theologie trifft

Roßner und Roßner
Bildrechte Gunter Maasberg

Mit regionalen Köstlichkeiten beschenkte Nicole Tratzmüller (EEB, mitte) die Referenten Pfarrer Gerd Rossner und Historiker Dr. Adrian Roßner (von links). 
Zum Thema „Was glauben wir eigentlich? – Wenn Wissenschaft auf Theologie trifft“ hatte das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Hochfranken (EEB) zum „spritzigen Dialog“ eingeladen. Der Besuch von 150 Gästen ist ein starkes Signal für das große gesellschaftliche Interesse dieses Themas. 
Pfarrer Gerd Roßner spannte einen großen Bogen in die Vergangenheit und die Ursprünge der Religion: Rituale und Zeremonien waren schon vor tausenden von Jahren Überlebenshilfe und Kraftquelle. Der sich entwickelnde religiöse Glaube hatte aber nicht nur positive Seiten „sein Leben auf die Reihe zu bekommen“. Schon die ägyptischen Pharaonen haben mit Kontrolle und Macht regiert. „Menschen, die Angst haben, sind leichter kontrollierbar“. Diese priester- menschengemachte Kombination aus Macht, Distanz und Angst lässt sich vom mittelalterlichen Katholizismus bis zu heutigen fundamentalistischen Gemeinschaften verfolgen. „Jesus hat nicht gesagt: Kehrt um und gründet Landeskirchenämter!“. Eindringlich appelliert Gerd Roßner daran, selbst an die Quellen zu gehen, und nicht nur an die Brunnen! Ohne Vermittler - wie Priester, Heilige oder Reliquien - selbst in Kontakt zu Gott zu treten und die Kernaussage der Bibel zu beherzigen (übrigens der darin am meisten wiederholte Satz): Fürchte dich nicht!
Dr. Adrian R0ßner illustrierte anschaulich, wie sich lokale Identitäten, kulturelle Vielfalt, Bräuche und Traditionen herausgebildet haben: „das Hofer Land gab es nicht: Münchberg – Zell war schon eine Weltreise!“. Nach Luther wurde der Volksglaube als Aberglaube verteufelt: aus heutiger Sicht zu Unrecht! Traditionen, Rituale und Bräuche geben Sicherheit und stehen theologischen Begründungen eines „wahren Glaubens“ nicht entgegen. Nach dem Tod eines Menschen wird das Fenster geöffnet, um die Seele entweichen zu lassen oder in den Rauhnächten (die 12 Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig) keine Wäsche aufgehängt. In diesen Nächten sei die Grenze zwischen den Welten „dünn“ und Geister und Dämonen könnten sich darin verfangen.
„Ich glaab net dran, aber es schaad ja nix“: gerade im Dialekt wird es bei Adrian Roßner besonders anschaulich. Glauben gibt dem Menschen Sicherheit frei zu leben und Schutz in Gemeinschaft! Das muss nicht die Institution Kirche sein, aber es bedeutet gerade in heutigen Zeiten auch die eigene Entscheidung und Verantwortung, wen man für diese eigene Sicherheit und den Schutz betraut, statt sich der schweigenden Mehrheit anzuschließen.
Gerd Roßner bringt es auf den Punkt: „Gott unterschreibt mit Zufall, wenn er anonym bleiben will“.