„Vergiss-mein-nicht-Gottesdienst“ spricht alle Menschen mit allen Sinnen an

Vergiss mein nicht Gottesdienst September 2026
Bildrechte Monika Köppel-Meyer

Am Sonntagvormittag füllt sich die Michaeliskirche in Hof mit rund 60 Menschen. Sie alle verbindet der Wunsch, gemeinsam Gottesdienst zu feiern – unabhängig davon, ob sie regelmäßig eine Kirche besuchen, mit Demenz leben oder eine geistige oder körperliche Beeinträchtigung haben. Beim „Vergiss-mein-nicht-Gottesdienst“ steht deshalb im Mittelpunkt: Jeder Mensch ist willkommen.

Pfarrerin Annette Jahnel eröffnet den besonderen ökumenischen Gottesdienst in einfacher Sprache. Organisiert wurde er von der Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz im Hofer Land in Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Hochfranken, der Katholischen Erwachsenenbildung in Stadt und Landkreis Hof e. V., den Offenen Hilfen der Lebenshilfe Hof sowie der Alzheimer Gesellschaft Regionalgruppe Hof/Wunsiedel e. V.

Dankbarkeit im Mittelpunkt

Passend zum bevorstehenden Erntedankfest steht das Thema Dankbarkeit im Mittelpunkt. Ein Anspiel greift dabei eine Erfahrung auf, die viele Menschen kennen: „Irgendwie ist gerade alles schwer. Es gibt gerade nichts Schönes, worüber ich mich freuen kann.“
Eine zweite Darstellerin macht Mut, den Blick auf die kleinen Dinge des Alltags zu richten: „Manchmal hilft es, auf die kleinen Dinge zu schauen, für die wir jeden Tag dankbar sein können.“ 
Vier Symbole begleiten die Besucherinnen und Besucher durch den Gottesdienst: Die Sonne steht für Licht und Wärme, das Brot für Nahrung und das, was der Körper zum Leben braucht. Ein rotes Herz symbolisiert die Liebe und Zuwendung anderer Menschen. Die Rose erinnert an die schönen Dinge des Lebens.
Die Symbole tauchen auch in der Predigt wieder auf. Bekannte Danklieder laden zum Mitsingen ein und werden von den Gästen mit Rhythmusinstrumenten begleitet. So wird der Gottesdienst nicht nur gehört, sondern auch gesehen, gefühlt und aktiv mitgestaltet.

Ein Gottesdienst für alle Sinne

Besonders stimmungsvoll ist der Moment der persönlichen Segnung. Jeder Besucher und jede Besucherin erhält eine Segnung mit duftendem Öl. Vertraute Elemente wie das „Vater unser“ geben dem Gottesdienst einen berührenden Abschluss.
„Unser Gottesdienst soll Menschen unabhängig von ihren Fähigkeiten und ihrer Lebenssituation erreichen“, ist der Gedanke, der das Organisationsteam verbindet. Einfache Sprache, bekannte Lieder, Symbole und sinnliche Erfahrungen machen es möglich, dass alle den Gottesdienst auf ihre eigene Weise erleben können.
Im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen. Die gemeinsame Begegnung gehört dabei ebenso zum Konzept wie der Gottesdienst selbst.
Beteiligt an der Vorbereitung und Durchführung sind Anette Jahnel, Jens Güntzel, Nicole Tratzmüller, Heidi Sprügel, Michaela Meusel, Silvia Lottes, Monika Köppel-Meyer, Ute Hopperdietzel und Georg Stanek.
„Der „Vergiss-mein-nicht-Gottesdienst“ soll keine einmalige Veranstaltung bleiben: Er soll zu einer Tradition werden – als Gottesdienst für alle Menschen.“