Der Einladung der Evangelischen Erwachsenenbildung Hochfranken (EEB) auf die Sonneninsel Sizilien folgten 32 Bildungs- und Kulturinteressierte. Sagte doch schon Goethe: „Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist erst der Schlüssel zu allem.“
Seit Menschengedenken hat Sizilien eine geradezu schicksalhafte Anziehungskraft ausgeübt. Alle kamen sie, die Völker, denen für eine Weile die Welt gehörte: Griechen, Römer, Vandalen, Byzantiner, Araber, Normannen und Staufer, Franzosen, Spanier und Österreicher. Sie fielen auf der größten Insel des Mittelmeeres als Eroberer oder Befreier ein, je nachdem, wie man die Geschichte betrachtet. Wer Trinarcia – so der uralte Name – besaß, der hielt die Fäden der Macht in der Hand. Heute gehört die von drei Meeren umspülte dreieckige Insel zu Italien.
Und in diesen Meeren konnte auch gebadet werden: dem tyrrhenischen im Norden, dem ionischen im Osten und dem Mittelmeer im Süden.
Doch zunächst ging es auf den Ätna, den höchsten aktiven Vulkan Europas. Mit Jeeps wurde die Gruppe bis an die 3.000 m Grenze des 3.350 m hohen rauchenden Wahrzeichens gefahren, wo im Winter ein Skilift in Betrieb ist.
In Taormina, der „Perle Siziliens“ an der sog. Zyklopenküste (nachzulesen bei Odysseus) wurde das griechisch-römische Theater besucht: die die „schönste Arena der Welt“! Hier im Osten Siziliens ließen sich die Griechen nieder und schufen größere, schönere und prunkvollere Tempel und Theater als in der griechischen Heimat.
Im Bus durch Geschichte und Jahrhunderte: Noto, die Barockperle im Hinterland: UNESCO Weltkulturerbe: hier baute man nicht als Machtdemonstration, sondern aus purer Lust am Überschwang.
Im Anschluss Syrakus, das New York der Antike. Mehr als eine halbe Million Menschen lebte im 4. Jahrhundert vor Christus in seinen sicheren Mauern. Im Mittelpunkt der Dom mit der bemerkenswertesten Kathedrale Siziliens: Seit undenklichen Zeiten gilt sie als heilig: heilig in einem Sinn, in dem auch die Bibel von jenen seltenen Stätten spricht, wo Gott schon immer wohnte. Im 8. Jahrhundert vor Christus errichteten die Griechen den ersten Athene-Tempel, dessen Säulen heute noch stehen. In frühchristlicher Zeit verwandelte man das Gotteshaus der Heiden in eine Basilika, den Arabern diente es als Moschee, den Normannen wieder als Kirche der Christenheit!
Unverzichtbar die Einordnungen der sympathisch-eloquenten Reiseleiterin Angela Domingo, die die Gruppe anspruchsvoll informierte aber auch humorvoll unterhielt. Geschichte, Kultur, Kulinarik: alles war harmonisch abgestimmt: Deutsch lernte Sie in Groß-Gerau, aber nach 6 Jahren bekam Ihr Vater Heimweh und die Familie zog wieder ins Mezzogiorno, das Land, „wo die Zitronen blühen“.
Im Landesinneren ging es zur „Ville del Casale“, einem luxuriösen römischen Wohnhaus: auf über 3.000 qm sind hier vielfarbige Mosaiken erhalten mit Darstellungen aus der Mythologie, Zirkusmotive, Jagdszenen und die sog. „Bikini-Mädchen“: Frauen im 2-teiligen Sportgewand: dem antiken Vorläufer des 1946 in Paris vorgestellten Bikinis.
Kein Kulturtourist darf Agrigent und das Tal der Tempel versäumen: Wie an einer Perlenschnur reihen sich Tempel und Tempelruinen: auf seiner Italienreise 1787 schwärmte schon Goethe von dem Tempel der Concordia: „die Massenverhältnisse, die Einteilung, das Ganze, der Zustand: alles ist vollkommen!“
Über die „Via del Sale“, die Salzstrasse mit großer Tradition der Meersalzgewinnung geht es über Trapani hinauf nach Erice: in dem malerischen-mittelalterlichen Städtchen auf einem Berggipfel hat man bei gutem Wetter Ausblick bis Afrika!
Monreale, Cefalú, Palermo: grosse Namen für die Standorte mächtiger Normannenkathedralen („über die Staufer sind Sizilianer und Deutsche verwandt“), für die größte Altstadt Europas, für bald dreitausendjähriges Kulturerbe und die Synthese von Epochen und Kulturen bis hin zum Kernland der Mafia: voller Geschichte und Geschichten verließ die Reisegruppe die Insel: mit einem gewissen Segen von oben muss es schon zu tun gehabt haben, denn eine Woche vor Abreise und eine Woche nach Rückkehr brach der Ätna aus: hier gilt auch das sizilianische Sprichwort: „Cu nesci, arrinesci“: wer wagt, gewinnt!